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St. Josefs-Verein

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St. Josefs-Verein e.V.


Die Geschichte des St.Josefs-Vereins beginnt genau genommen am 9. November 1843, als die Hofmalerswitwe Maria Böll in München in ihrem Testament 1000 Gulden „den armen Waisenkindern zu Haidhausen“ vermachte. Dieses Legat war Grundlage für einen Beschluss des Armenpflegschaftsrates und der Gemeindeverwaltung von Haidhausen, das Vermächtnis zur Errichtung einer Waisenanstalt zu verwenden. Kaplan Josef Gruber von der Pfarrei St.Johann Baptist machte sich diese Idee zueigen und wurde dabei von Stadtpfarrer Johann Georg Walser tatkräftig unterstützt. Um dem Plan die nötige finanzielle und rechtliche Grundlage zu verschaffen gewann Gruber in kürzester Zeit ca. 400 Personen aus München und Umgebung, die sich zu einem Verein, dem St.Josephus-Verein, zusammenschlossen. Das war im Jahr 1855, das seither als Gründungsjahr des St.Josefs-Vereins gilt.

Noch im gleichen Jahr mietete man eine Wohnung bestehend aus drei Zimmern und Küche im Hause des Schreinermeisters Schrott an der Kirchenstraße 29 (heute: Johannisplatz 1) an, in der 6 Buben und 8 Mädchen untergebracht wurden. Die Hauswirtschaft besorgte eine angestellte Frau. Zusätzlich zu den in der Anstalt untergebrachten Kindern wurden – gewissermaßen „ambulant“ – viele Kinder aus Haidhausen mit einer warmen Mahlzeit versorgt. So schreibt die Chronik des Jahres 1857: „Von Anfang Februar bis Ende April 1857 wurden 120 Kinder und vom 1.Mai bis 30.August 86 Kinder mit Suppe und Brot versorgt.“

Am 21. Januar 1858 konnte der Königlichen Polizeidirektion von Oberbayern angezeigt werden, „dass der kgl. bayerische erbliche Reichsrat Ludwig Graf von Arco-Valley-Zinneberg den Vorsitz des Vereins und Stadtpfarrer Walser und Kaplan Gruber die Leitung der Anstalt übernommen hätten.“ Am 25.Februar 1858 wurde die erste Vereinssatzung beschlossen.

Nachdem Stadtpfarrer Walser 1858 den Erzbischof von München und Freising, Gregor von Scherr, gebeten hatte, „die Niederbronner Schwestern in Haidhausen einführen zu dürfen“, kamen am 1.Dezember d.J. Sr.Maximina und Sr.Arbogasta aus dem elsässischen Niederbronn, um ihren Dienst in der neu gegründeten Anstalt zu übernehmen. Von den Bewohnern Haidhausens zunächst als „Ausländerinnen“ beargwöhnt gewannen sie sehr schnell die Herzen der Menschen, so dass bereits 1859 eine weitere Schwester zur Pflege der Kranken angefordert wurde.

Ein Blick in das Vereinsverzeichnis von 1860 dokumentiert die große Hilfsbereitschaft: Es waren 431 Namen verzeichnet, darunter Mitglieder des Königshauses und des bayerischen Adels, der Geistlichkeit sowie des Beamtentums und des Bürgertums.

Wegen beengter Verhältnisse in der Kirchenstraße kaufte man 1862 für 6300 Gulden das Haus an der Eggernstraße 6 – König Ludwig hatte dazu 1000 Gulden gespendet! – und errichtete 1873 einen Anbau mit Kapelle.

Diese Erweiterung ermöglichte die Gründung eines Kindergartens im Jahre 1876. Eine abermalige Erweiterung im Jahre 1881 schuf Raum für die Gründung eines Mädchenhortes (1885), dem 1897 ein Knabenhort in dem erstellten Neubau an der Preysingstraße 21 angegliedert wurde.

Ein Blick auf den Personalstand des Jahres 1899 und die Zahl der betreuten Kinder und Kranken legt Zeugnis von dem bereits umfangreichen Wirkungsbereich des Vereins ab: In diesem Jahr waren 15 Schwestern im Haus tätig. Die Zahl der „Zöglinge“, also der Heimkinder, betrug 90; im Kindergarten wurden 100 Kinder betreut, im Knabenhort ebenfalls 100 Kinder, im Mädchenhort 150 Kinder. In Haidhausen pflegten die Schwestern 167 Kranke, wobei in der Chronik 936 Nachtwachen und 1658 Tagesbesuche verzeichnet sind.

Zur Sicherung eines Bauplatzes für eine künftige Vergrößerung wurden 1906 die Nachbaranwesen Preysingstraße 23 und 25 angekauft.

Im Jahre 1914 erwarb der Verein das Haus in Purk (Landkreis Fürstenfeldbruck), einen ehemaligen Herrschaftssitz, als Ferienheim für die Heimkinder sowie als Erholungsheim für die Schwestern.

Einen schmerzvollen Einschnitt für das Haus bedeutete der 1.Weltkrieg und die anschließende Geldentwertung. In der Chronik heißt es dazu: „Es war fast nicht mehr möglich, täglich den Tisch der Kinder zu decken.“

1922 trat Direktor Hörmann die Leitung der „St.Josephs-Anstalt“an.

Im Juni 1930 ging er an den Bau eines neuen Hauses, zumal die Baufälligkeit des Anwesens Eggernstraße 6 diesen dringend notwendig machte. 1931 konnten die Kinder zusammen mit den Schwestern in die neue Anstalt mit der neu errichteten Hauskirche einziehen, in das Haus also, das noch heute (Altbau) einen Teil des St.Josefs-Heimes birgt.

Am 28. September 1931 konsekrierte Kardinal Faulhaber die Kirche und weihte sie dem hl. Josef. Nicht zuletzt aus finanziellen Erwägungen heraus griff der Verein eine Idee Hörmanns auf, zusätzlich zu den Einrichtungen der Kinderbetreuung eine Art Pension für ältere BürgerInnen zu gründen, die noch berufstätig waren, im Haus versorgt und bei Bedarf auch gepflegt würden. So konnte dem Haus „auch finanziell und wirtschaftlich ein solides und tragfähiges Fundament“(Chronik) gegeben werden. Das Vorstadium des späteren Altenheimes war damit grundgelegt. Im Jahre 1936 wirkten insgesamt 30 Schwestern im St.Josefs-Heim, 25 in München und 5 in Purk. Diese Zahl an Schwestern wurde nie mehr erreicht.

Mit dem Beginn des 2.Weltkrieges ziehen auch über dem Josefs-Heim dunkle Wolken auf. Der langjährige Vereinsvorsitzende Stadtpfarrer Mühlegger von München-Oberföhring sagt von dieser Zeit: „Es wird Krieg und nun scheint es, als ob der Segen vom Haus gewichen wäre. Das Haus wird beschlagnahmt (1.Oktober 1943), die Kreuze werden entfernt, die Hitlerjugend ist Herr im Hause, die Schwestern sind Putzfrauen und nur geduldet, die Direktion wird kaltgestellt.“ (Vortrag Mühleggers zum 100-jährigen Bestehen des Vereins).

Die ständigen Fliegeralarme belasteten die Schwestern und Bewohner gleichermaßen und so entschloss man sich, die Kinder nach Purk zu bringen. Am 17.Dezember 1944, abends um 20.30 Uhr, wurde das Haus von Bomben getroffen und schwer beschädigt. Der vierte und fünfte Stock brannten völlig aus. Die Hitlerjugend verließ noch in derselben Nacht das Haus, die Pensionäre mussten bei Verwandten und Bekannten Unterschlupf suchen.

Am 7.Januar 1945 wurde das Haus erneut von einem Fliegerangriff schwerstens getroffen, vor allem der Seitenbau mit der Kirche. Das Gewölbe der Kirche stürzte ein.

Bald darauf hatte der nationalsozialistische Wahn ein Ende.

Am 1. Mai 1945 zogen die Amerikaner von der inneren Stadt kommend nach Haidhausen. Eine weiße Fahne wehte aus dem stark zerstörten St.Josefs-Heim. Die folgenden Jahre waren ganz vom Wiederaufbau geprägt. Stadtpfarrer Mühlegger: „Was in den folgenden Jahren die Schwestern und Mitwohner mitgemacht haben, lässt sich nicht in Zahlen und Worte kleiden. Unmenschliches und kaum Glaubhaftes wurde geleistet.“

Die unvergessene Sr.Marie Ruth, vom oberpfälzischen Wernberg 1945 nach München in das St.Josefs-Heim versetzt, sagte einmal: „ Wir mussten aus dem 5.Stock das Wasser herunterschöpfen und meine Tränen flossen mit hinein.“

Am 19. November 1955 feierte der St.Josefs-Verein sein 100-jähriges Bestehen. Kardinal Wendel hielt den Festgottesdienst. Ein Jahr später, am 4.Dezember 1956, starb Direktor Hörmann. Er stand 32 Jahre lang an der Spitze des Hauses und erwies sich vor allem auch in den schweren Jahren des Krieges als treuer und fürsorgender Hausvater. Mit Richard Strigl bekam am 1.April 1957 das Haus wiederum einen Priester als Direktor. Noch im selben Jahr leitete Direktor Strigl die Renovierung des Kinderheimes Purk ein. 1963 begann er mit der Neugestaltung der Hauskirche. Seiner Entschlossenheit ist es auch zu verdanken, dass schon bald mit der Planung eines Neubaues auf dem Baugrund Eggernstraße 5 begonnen wurde. Von der Bewohnerin der Eggernstraße 5, Frl. Margarethe Rösch, konnte das Grundstück erworben werden. Am 30. Oktober 1966 erfolgte der erste Spatenstich und schon am 10.Februar 1968 konnte Kardinal Döpfner den im Erdgeschoss befindlichen Kindergarten und den Altenheimneubau einweihen. Leider war der Altenheimbau nur im ersten und zweiten Stock ausgebaut worden, der 3. Stock blieb als Torso bestehen, weil die finanziellen Mittel fehlten.

1983 musste das Mutterhaus in Neumarkt die Schwestern aus dem Purker Haus – wegen Überalterung und fehlenden Ordensnachwuchses – abziehen. Nach fast 70-jähriger Tätigkeit ging damit eine segensreiche Tradition zu Ende. Mit dem Tod von Direktor Strigl am 27.März 1985 erlitt das St.Josefs-Heim einen schweren Verlust. Er hatte fast 28 Jahre das Haus mit großem Geschick und Einsatz geleitet. Sein Nachfolger, Direktor Kurt Heller, kam am 15.Spetember 1985 in das St.Josefs-Heim, wo er zusammen mit dem damaligen Betriebsleiter, Heinrich Mittermair, sofort daran ging, die noch von Direktor Strigl ins Auge gefassten Neu- bzw. Umbaupläne in die Tat umzusetzen. Als erstes Projekt galt es, das dringend sanierungsbedürftige Purker Kinderheim von Grund auf einer Renovierung zuzuführen. Das bedeutete vor allem die feuchten Mauern trocken zu legen und auch die Innenausstattung nach den finanziellen Möglichkeiten zu erneuern. Das Ehepaar Regele, das die Nachfolge der Niederbronner Schwestern bei der Leitung des Hauses übernahm, hat sich hier in uneigennütziger Weise und weit über das Normalmaß hinaus engagiert. Herr Regele konnte dabei als gelernter Diplomingenieur wertvolle Dienste leisten.

In der Altenhilfe hieß das Motto: Die Zukunft liegt in der Pflege. Da im St.Josefs-Heim nur eine kleine Pflegeabteilung zur Verfügung stand, gingen Herr Direktor Heller und Herr Mittermair daran, für den unvollendeten Neubau am Preysingplatz einen neuen Plan zu erarbeiten. Er sah folgendermaßen aus: Es sollten weitere zwei Stockwerke aufgesetzt werden, nach Vollendung die Bewohner des 1. und 2. Stockwerkes in die neuen Räume umziehen und schließlich der 1. bis 3. Stock saniert werden. Mit diesem Vorhaben war die Voraussetzung für eine moderne Pflegestation geschaffen worden. Diese große Baumaßnahme hätte nicht in die Tat umgesetzt werden können ohne die tatkräftige Unterstützung der Erzbischöflichen Finanzkammer. Von 1987 bis 1989 dauerten die Arbeiten, am 18.Februar 1989 konnte mit einem feierlichen Gottesdienst, zelebriert von Finanzdirektor Dr.Fahr, der Neubau seiner Bestimmung übergeben werden.

Auch die folgenden Jahre waren von vielen z.T. äußerst schwierigen und aufwendigen Umbau- und Renovierungsmaßnahmen geprägt, so die Sanierung des Kinderheimes (Preysingstraße 25) und schließlich in den Jahren 1994 bis 1996 der Einbau von Pflegebädern, eines Bettenaufzuges im Altenheim Altbau und nicht zuletzt die völlige Erneuerung der Großküche.

Mit der Einweihung der Heilpädagogischen Tagesstätte in angemieteten Räumen in der Wörthstraße sowie der Errichtung einer Integrationskrippe in der Pütrichstraße konnte der St.Josefs-Verein seine Angebote in der Kinder- und Jugendhilfe komplettieren. ^

Im Jahre 2005 kann der St.Josefs-Verein auf sein 150-jähriges Bestehen zurückblicken.

Ad multos annos!